Die nächste Phase der Energiewende entscheidet sich nicht nur daran, wie viel Erneuerbare Energien wir ausbauen, sondern wo, wann und in welchem Zusammenspiel. Um den regionalen Ausbau vorausschauend zu planen und die Erzeugung stärker am Verbrauch auszurichten, hat der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) gemeinsam mit dem Fraunhofer IEE das digitale Analyse-Tool „Energiewenderechner“ entwickelt. Unterstützt wurden sie dabei von 305 Unternehmen, Verbänden, Institutionen und öffentlichen Akteuren.
Der Energiewenderechner bietet eine frei navigierbare Karte aller deutschen Kommunen und Landkreise. Er bildet nicht nur den aktuellen Ausbaustand ab, sondern verbindet aktuelle Daten zu Energieerzeugung und Energiebedarf mit Prognosen zur weiteren Entwicklung. Nutzerinnen und Nutzer können erneuerbare Energien, Verbrauch, Speicher, Elektromobilität, Power-to-Heat und Elektrolyse abbilden. Der Energiewenderechner zeigt dabei nicht nur ein mögliches Zielbild. Er ermöglicht Nutzern, Szenarien selbst zu verändern, zu vergleichen und weiterzuentwickeln.
Die Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt (LENA) empfiehlt den Energiewenderechner als wichtiges Instrument, um Transparenz zu schaffen, Netzkosten zu senken und lokale Akzeptanz zu stärken. Deshalb kommt er künftig auch in Sachsen-Anhalt zum Einsatz.
Mit der Veröffentlichung beginnt die praktische Anwendung: Ab sofort steht der Energiewenderechner unter lsaurl.de/Rechner für die regionale Planung und Simulation in ganz Deutschland zur Verfügung.
Hintergrund
Wer auf die Karte Sachsen-Anhalts schaut, erkennt schnell: Bei der Energiewende sind die Regionen unterschiedlich aufgestellt. Während einige Landkreise ihren Strombedarf rechnerisch bereits zu 100 Prozent oder mehr mit heimischem Ökostrom decken können, sind andere – insbesondere städtische und industriell geprägte Räume – dauerhaft auf Stromlieferungen aus anderen Regionen angewiesen.
Doch eine rechnerische Stromautarkie allein reicht nicht aus. Denn wenn Wind und Sonne nicht zur Verfügung stehen, braucht es Speicher und weitere flexible Energiequellen wie Geothermie oder Biogasanlagen. Doch welche Technologien sind in welchem Umfang notwendig? Und woher kann der Strom kommen, wenn der eigene Bedarf nicht vollständig gedeckt werden kann? Liegt eine aktuelle oder künftige Überschussregion in der Nähe?
Antworten auf diese Fragen liefert der gestern veröffentlichte interaktive Energiewenderechner. Er macht die unterschiedlichen Ausgangslagen und Entwicklungsmöglichkeiten der Regionen anschaulich und zeigt insbesondere lokalen Entscheidungsträgern, welche Wege für ihren Landkreis in der Energiewende möglich sind.
Dafür simuliert der Energiewenderechner die Entwicklung der Energiewende für alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte in fünf Jahresschritten. So lässt sich auf einen Blick erkennen, wie sich Erzeugung und Bedarf entwickeln, wo Überschüsse entstehen und welche Optionen sich für die einzelnen Regionen ergeben.
